Saturday, December 29, 2007

Tech Report: Danelectro Fab Echo Mod

Um die Wartezeit bis zum Eintreffen des von mir vor Monaten bestellten Eventide Timefactor Delay zu ueberbruecken, hatte ich mir bei ebay ein guenstiges Seiwa/Coron AD-500 Analog Delay ersteigert, nur um festzustellen, dass man den Effektanteil leider nicht auf 100% Wet, 0% Dry stellen kann. Dumm, wenn das Echo Geraet in den Auxweg meines Mischpultes geschaltet werden soll und damit fuer meine Zwecke unbrauchbar.

Die ueblichen Alternativen waren mir im Angesicht des Preises des Eventide Geraetes schlicht und einfach zu teuer und somit ich entschloss mich, einfach ein billiges Digitaldelay nach meinen Vorstellungen umzubauen und meine Wahl fiel auf das Danelectro Echo aus der Fab Tone Serie fuer schlanke 15,- EUR:




Als erstes muss natuerlich das Gehaeuse geoeffnet werden. Dazu einfach die Schraube der Bodenplatte loesen:



Nachdem man alle Schrauben und die beiden Potikoepfe entfernt hat, bleiben zwei Platinen uebrig: Im Hintergrund eine bei allen Danelectro Fab Effekten identische Platine fuer Ein- und Ausgaenge, Schaltimpuls und Stromversorgung, sowie das eigendliche Board fuer den Effektschaltkreis (im Vordergrund):



Jetzt brauchen wir natuerlich noch einige Bauteile (u.a. Potis, Klinkenbuchsen, diverse Schalter) um dem kleinen Racker zu Leibe ruecken zu koennen:



Die Basismodifikation sind folgende:

- Einbau eines zusaetzlichen Reglers um die Delayzeit einstellen zu koennen
- Entfernen der kuenstlichen Begrenzung des Effektanteils am Ausgangssignal

Um das Delay am Mischpult in einen Auxweg einschleifen zu koennen muss die vom Hersteller eingebaute Begrenzung des Effektanteils weg, damit wir das Geraet auf 100% Effekt einstellen koennen. Eine andere werkseitige Einschraenkung ist eine Begrenzung des Feedbacklevels um eine ungewollte Aufschaukelung des Signals durch Fehlbedienung zu verhindern. Die Rueckkopplung (und damit die Anzahl der Wiederholungen), regeln wir zwar sowieso am Mischpult (ueber den Kanalzug ueber den der Effekt wieder ins Pult gefuehrt wird), aber aus Gruenden der Flexibelitaet nehmen wir diese Begrenzung auch gleich mit raus.

Wir entfenen dafuer den in der unteren Abbildung (Mouseover for Details) markierten Widerstand oben in der Mitte (begenzt den Effektanteil) und den Widerstand auf der linken Seite (begrenzt das Feedback/Anzahl der Wiederholungen). Anstelle der Widerstaende kommt jeweils eine Loetbruecke.

Um einen Regler fuer die Delayzeit einzubauen, muessen wir zuerst ebenfalls einen Widerstand entfernen. Weg muss der Widerstand an Pin 6 am grossen Chip (siehe Abb.). Anstatt einer Loetbruecke kommt in diesem Fall ein 100k Poti mit einem 10k Widerstand an Pin 6 (das Kabel zur Zugentlastung mit einem Tropfen Sekundenkleber auf dem Chip fixieren), dann das Poti einfach am dicken Loetpunkt der Klinkenbuchse erden:



Damit haben wir den Funktionsumfang schon mal gehoerig erweitert, aber so richtig interessant wird es erst, wenn wir noch ein paar fiese schaltbare Glitches einbauen. Dazu schliesst man das Delay an einen Verstaerker und eine Tonquelle an und stellt die Lautstaerke auf ein humanes Mass ein (fuer solche Experimente niemals! einen Kopfhoerer benutzen!!!). Dann nimmt man ein Stueck Kabel mit abisolierten Enden zur Hand und verbindet systematisch Kontakte auf der Platine (macht sowas nur! mit batteriebetriebenen Geraeten, sonst bringt ihr euch um!!!). Kombinationen die interessante Sounds hervorbringen, werden mit einem Kippschalter verbunden und kleinere Modifikationen wie z.B. Verlegung der Status LED, externe Klinkenbuchsen, Fusschalter, durchefuehrt. Ist man zufrieden, dann sieht das ganze je nach Umfang ungefaehr so aus:



Als naechstes bekommt der Wust aus Platinen, Kabeln und Bauteilen noch ein neues Zinkspritzguss-Gehaeuse und passende Potikoepfe. Gummifuesse und eine Halterung fuer die LED nicht vergessen...



Bohrungen anzeichnen und ausschneiden (am besten vorher eine Pappschablone machen, da drin ist weniger Platz, als man glaubt...):



Zusammenbauen...




...testen ...fertig!



A-B Groessenvergleich:



Fuer wenig Geld laesst sich somit aus einem der billigsten Delays ein durchgeknalltes Soundmonster basteln, das bei bedarf auch ganz zahm sein kann. Klar klingt das Echo auch in 08/15 Einstellungen niemals wie ein 400,- EUR Boutique Analogpedal, aber gerade daraus bezieht das modifizierte Fab Echo seinen Reiz.

Durch die Beseitigung der werkseitigen Beschraenkungen und der Transplantation aus dem kleinen Plastikkasten in ein stabiles Metallgehaeuse sind die groessten Schwaechen des Geraetes beseitigt worden.

Bei laengeren Delayzeiten sinkt die Soundqualitaet aufgrund der geringen Aufloesung des Soundchips rapide ab und die Echos werden so richtig schoen dreckig, quasi das digitale Gegenstueck zu den alten Lo-Fi Bandechos.

Durch die drei schaltbaren Glitches (in diesem Fall ein Digital verzerrter "Insanity Mode" der den Sound total durch die Mangel dreht, eine Art Bandpassfilter und einen Toggleswitch) und die umfangreichen Regelmoeglichkeiten ist es jetzt sogar moeglich, das Geraet in die Selbstoszillation zu treiben und damit als Tonerzeuger zu nutzen, stimmbar wird des Ganze durch den Regler fuer die Verzoegerungszeit...

Weitere interessante und nuetzliche Informationen zum Thema Circuit Bending finden sich hier und hier...


*Update*
Natuerlich ist auch eine komplett fussbedienbare Version denkbar. Man braeuchte nur ein groesseres Gehaeuse und anstatt der Kippschalter weitere Fusschalter. Die Regler muessten durch Klinkenbuchsen fuer Fusspedale ersetzt werden (da kommt es dann nur auf den richtigen Widerstand des Pedals an).

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